Frühstück an einem Montagmorgen.
Frühstück an einem Montagmorgen.

Namsos - Trondheim - Molde - Bergen

(21. Juli - 4. August 2013)

Das Wetter wird von Tag zu Tag besser. Besser heisst für uns, endlich keinen Regen mehr. Die Wiesen aber bleiben tagelang sumpfig. Wir wählen die bequeme Variante und quartieren uns in Namsos in einem Cabine ein. Vielleicht auch, weil Bea da besser kochen kann. Das Festessen besteht aus Rindsfilet mit Eierschwämmen (Pfifferlingen) – Pit konnte sie fast vom Velo aus pflücken, Kartoffelstock, Tomatensalat und einem Becher Roten. Sooo guet!! Nein, zu feiern gibt es nichts aber nach stundenlangem Pedalen immer grossen Kohldampf.

Die Strasse 720 entlang dem Beitstadfjord ist schmal, hat kaum Verkehr und moderate Steigungen. Einmal mehr zeigt sich, dass unbeachtete und darum wenig bekannte Nebenstrassen wahre Veloleckerbissen sind. Genussfahren pur! Norwegen ist hier wie das Emmental. Hügelig, verstreute Höfe, weidende Rindviecher, etwas Ackerbau, alles sehr gepflegt. Nur das viele Wasser will nicht so recht passen. Tiefblau und mit vielen Inseln macht sich der Storvatnet kurz bevor wir den Trondheimsfjord erreichen, breit. Der Schweiss fliesst in Strömen beim steilen Aufstieg. Lieber so, als wenn der Regen in die Schuhe rinnt.

Je südlicher wir kommen, je schwieriger wird das Wildcampen. Jeder Fleck wird landwirtschaftlich genutzt oder mit „Privat“ abgesperrt. Ans Wasser kommen ist nahezu unmöglich. Zeltplätzte gibt es abseits der wichtigen Nord-Süd-Strassen kaum. Kein Wunder, stinkt uns die mühsame Suche. Und wenn wir, wie am Storvatnet abgewiesen werden weil der Capingbetreiber nur Wohnmobile und Wohnwagen will, dann „schie . .t“ das gewaltig an.

Trondheim ist nicht mehr weit. Endlich ein Ruhetag. Wir sind müde . . .

 

In Molde schlagen wir unser Zelt neben dem von Conny und Claudio aus Spiez auf. Nach einem Monat Velofahren ohne Regen (jaaa, das gibt es tatsächlich!) wollen sie weiter in den Norden. Geniesst eure Tour und Norwegen und lasst euch vom Regen – der euch in den nächsten Tagen leider nicht erspart bleibt – nicht das Velofahren vermiesen! Alles Gute, Conny und Claudio.

Mit der MS Trollfjord schippern wir mit all den Pensionären in gut 14 Stunden nach Bergen, lassen Inseln und Fjorde an uns vorbeiziehen und schlagen beim Frühstücksbuffet kräftig zu. Velofahrer sind immer hungrig.

 

Nach fünf Monaten mailen und skypen dürfen wir Alexandra und ihren Christian wieder in die Arme schliessen. Wenigsten drei Tage zusammen bummeln, kochen, geniessen. Sie haben uns sehr gefehlt . . .

Am 5. August brechen wir zu anderen Ufern auf. 

Da ist gewaltig was im Anzug . . .
Da ist gewaltig was im Anzug . . .

Nasskaltes Wetter, Gaumenfreuden und ein Geburtstag

(Bode bis Höfles, 7.7.-20.7. 2013)

Seit Andenes auf den Westerälen-Inseln hat uns das nasskalte Wetter verfolgt. Fast drei Wochen Regen, bleigrauer Himmel, jagende Wolken, Wind und bloss 10 Grad tagsüber. Ja, wir haben die Nase voll! Nach den tollen Frühlingswochen in den Baltischen Staaten, in Schweden und Finnland und dem Hammerwetter am Nordkapp . . . der Wetterabsturz musste irgendwann kommen.

Die speziellen Lichtverhältnisse geben dem Meer und der Küste eine Dramatik, die es nur hier im Norden gibt. Eine Szene mystischer als die andere. Gleissende Sonnenstrahlen brechen für wenige Sekunden durch pechschwarze Wolken, Meer und Land leuchten goldgelb und im nächsten Moment schiebt sich eine Regenwand in die Szene, als wenn es nie Sonne gegeben hätte. Wir staunend und fasziniert mittendrin. Im Viertelstundentakt giesst der Himmel kübelweise Wasser über zwei Velofahrer aus. Es hat keinen Sinn das tropfnasse Regenzeug auszuziehen, wenn es mal nicht giesst. Die nächste Waschküche ist schon im Anzug. Der Tumult am Himmel fasziniert und zieht in Bann und trocken wird alles immer wieder. Aber nach drei Wochen ist doch genug, finden wir.

 

Freie Cabines sind rar. In Bode ist das letzte verfügbare nicht abzuschliessen; sein letzter Gast hat den Schlüssel im Hosensack vergessen. Letztendlich Glück für uns. Auf den als Witz gemeinten Einwand von Bea, das müsste doch Rabatt geben, verrechnet uns der Vermieter tatsächlich einen niedrigeren Preis. Vielleicht auch, weil uns Dario Colonnia, unser Schweizer Weltklasselangläufer und sein Duell mit Petter Nordhug ein Begriff sind. Ein Blick über den Tellerrand, respektive über den Radlenker hinaus, kann nie schaden.

 

Nach wie vor ist die Küstenstrasse 17 unsere Route. Das Treten ist nie langweilig. Immerzu wechselt die Strasse die Richtung, nur der Wind bläst ständig ins Gesicht. Keine Ahnung wie das kommt. Jeden Abend, wenn wir „d`s Büro“ machen (die Tagesstatistik notieren), sind zwischen 500 und 900 Höhenmeter zu notieren. Dabei schmilzen die Tageskilometer auf 60 bis 70. Wir sind meist müde und kaputt wie nach einem flotten Hunderter. Ein Tourenradler (Lehrer, Rekordradler, Rekord-Eisschnellläufer, Rekordjogger, Redkord-Inlineläufer . . .!?, erfahren wir in weniger als fünf Minuten), den wir treffen, fährt pro Tag (und nachts, des Windes wegen) 180 bis 250 Kilometer. Er sei überdies Vegetarier. Keine Ahnung wie er zu den nötigen Kalorien kommt. Tourenfahrer begegnen uns täglich diverse, die meisten mit leichterem Gepäck als wir. Einige schaffen knapp ein Nicken als Gruss, müssen verbissen die geplanten Kilometer abspulen. Komische Vögel die uns mehr und mehr nerven.

„Wir verprassen das Erbe unserer Nachkommen“ steht in grossen Buchstaben auf der Rückseite eines Wohnmobils, das uns überholt.

 

Das miese und kühle Wetter hält an. 70 Kilometer nach Bode finden wir auf dem Kjellingstraumen Nordcamp, einem kleinen Zeltplatz mit gemütlichem Aufenthaltsraum, mit Mühe einen Flecken für das Zelt, der nicht unter Wasser steht. Pitschnass stopfen wir unser Heim am Morgen in den Sack. Trocknen im Moment nicht möglich.

Eine besondere Erwähnung hat der Mosheim Camping, zwei Kilometer vor Brönnöysund, verdient. Anna Jensen hat die Hüttli mit viel Hingabe liebevoll eingerichtet. Der ganze Zeltplatz ist sehr gepflegt und sauber. Übernachten absolut empfohlen (Tel. 750 220 12).

Nach jeder Strassenbiegung ein neuer, überwältigender Blick auf Berge und Fjorde – schön, dass wir Zeit haben und die wildromantische Route fahren können. Ab und zu gibt es Tunnels, einige fast drei Kilometer lang. Dank dem wenigen Verkehr nie ein Problem.

 

Eigentlich müsste beim Fähranleger von Holm ein Zeltplatz sein, ebenso etwas weiter in Bindalseidet, drei Kilometer abseits unserer 17. Keine Ahnung wo – trübt der Regen den Blick? Unnötige Umwege heben die Stimmung nach sechs Stunden im Sattel und triefend nass nicht. Weiter, es bleibt nichts anderes übrig.

Kurz bevor wir nach Bindalseidet von der 17 auf die Strasse 171 spuren, unverhofftes Glück. Ein deutsches Paar mit Camper hilft. Nach zwei, drei Kurven gebe es einen kleinen Campingplatz, kaum zu verfehlen. Und beim Verabschieden bekommen wir – wir trauen unseren Augen nicht – zwei KÖSTRITZER!! Für Bierbanausen: eines der besten deutschen Schwarzbiere, die es gibt! Das Glück hält an. Eine Stunde später ein feines Abendessen im Cabine und dazu . . . ein Köstritzer! (nur eines). Herzlichen Dank den Gönnern, von denen wir nicht mal die Namen kennen.

 

Heute Samstag, 20. Juli, feiert Norwegens Tronfolger Haakon seinen 40. Geburtstag. Überall im Land steigen Feste, so auch auf unserem Campingplatz. Ein norwegisches Buffet mit Musik und Tanz, das lassen wir uns nicht entgehen. Und da es sowieso immer noch . . . ach, lassen wir das. Die Velos stehen im Trockenen und wir geniessen noch einen Ruhetag mehr.

 

Camping im Norden, wie wir das machen

Immer wieder schreiben wir vom wild Campen, von“ Hüttli“ auf Zeltplätzen, von Küchen und warmen Aufenthaltsräumen. Hier etwas mehr Infos dazu.

In der freien Natur zelten und die Ruhe geniessen, das lieben wir und machen das oft. Das Jedermannsrecht ist in Skandinavien seit Jahrzehnten eine feste Einrichtung. Nach Gesetz ist es allen, die ohne Auto unterwegs sind, erlaubt, zwei Tage in der Natur zu übernachten. Dabei sind aber einige Grundregeln zu beachten (privaten Grund respektieren, mind. 150 m Abstand zu Wohnhäusern, Vorsicht beim Feuer machen, kein Holz schlagen und div. andere Einschränkungen). Eine tolle Sache, bisher gab es noch nie Probleme.

Duschen und Wäsche waschen muss sein (bevor wir uns nicht mehr riechen können . . .), für das gibt es genügend Zeltplätze. Diverse sind weder auf Karten noch in Verzeichnissen angegeben – angenehme Überraschungen für uns nach einem langen Velotag. Im Norden haben die meisten Campingplätze eine Küche mit mehreren Kochgelegenheiten und einen Aufenthaltsraum. Bei miesem Wetter sehr willkommen und stets ein Treffpunkt mit anderen Touris ohne Wohnmobil. Wenn es Internet hat, und das hat es nicht auf allen Zeltplätzen, dann zumindest im Aufenthaltsraum.

Eine Besonderheit und bei Ruhetagen und miesem Wetter (wie jetzt) willkommen, sind die „Hüttli“ auf den skandinavischen Zeltplätzen. Bei Nässe und Wind von allen Seiten sind vier Wände, eine Heizung und ein Bett zu haben, der absolute Luxus! Je nach Camping und Ausstattung (und Grösse, klar), sind die Preise ebenfalls luxuriös und nicht zahlbar (für uns). Mit Glück und manchmal Verhandeln sind einfache Cabines (zwei Betten und eine Kochgelegenheit, ohne Wasseranschluss) ab ca. Fr. 70.- zu ergattern. Wir waren schon öfter froh darum.

Ab Bode auf der Küstenstrasse 17

Schon bald nach Bode wird klar. Wir haben uns mit den 650 Kilometern Küstenstrasse Nr. 17 einen echten Velorouten-Leckerbissen ausgesucht. Die Strecke bis kurz vor Trondheim soll gemäss Beschrieb eine der schönsten von ganz Norwegen sein. Die Route bedingt einige Fährfahrten, dadurch ist die Strasse für Autos relativ teuer. Zum Glück für uns. Wohnmobile sind deutlich weniger anzutreffen als auf den Lofoten. Wir bezahlen übrigens mit den Velos den Fussgängertarif auf den Fähren. Das ist aber fast das einzig Preisgünstige in Norwegen (für uns).
Kurz nach Bode, bei Saltstraumen, überspannt eine Brücke den nur 150 Meter breiten Sund zwischen den Inseln Straumen und Straumøy, der den Saltfjord mit dem Skjerstadfjord verbindet. Im Wechsel der Gezeiten strömen fast 400 Millionen Kubikmeter Wasser in die Meerenge hinein und wieder heraus. Der Strom erreicht dabei Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h und es entstehen gewaltige Strudel. Sie können einen Durchmesser bis zu zehn Metern erreichen und mehr als vier Meter in die Tiefe reichen. Lediglich bei Stillwasser, also beim Höchst- und Tiefststand, tritt für kurze Zeit Ruhe ein. Bei unserem Besuch war nicht gar viel los mit strömendem Wasser und grossen Strudeln, leider.

Saltstraumen (Bild leider nicht von uns)
Saltstraumen (Bild leider nicht von uns)

Vesterälen-Inseln und Lofoten

Unsere Route auf den Vesterälen ist schön, aber nicht atemberaubend.
Etliche Geraden bei Gegenwind sind nicht das Gelbe vom Ei. Einen Höhepunkt gibt
es trozdem: 10`000 gefahrene Reisekilometer! Darauf geniessen wir am Abend
einen Trinkbecher Wein aus der Kartonbox. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Bei Stokmarknes setzen wir mit der Fähre auf die Lofoten über. Die
Erwartungen sind gross. Die Inselgruppe sei etwas vom Schönsten, was man
erleben könne. Ja, die Lofoten sind eindrücklich. Für uns reihen sie sich aber
gut in das bisher Gesehene und Erlebte ein, ragen nicht besonders heraus. Manchmal
beschleicht uns das Gefühl, selbst mit dem Velo noch zu schnell unterwegs zu
sein. Jeden Tag gibt es viele Eindrücke zu verarbeiten. Vielleicht gibt es mit der Zeit eine Übersättigung.

Von Svolvaer nach Flakstad mühen wir uns auf 100 Kilometern mit böigem
Gegenwind ab, wie selten. Der unsichtbare Teufel kommt immer von vorne, in
welche Richtung wir uns auch abstrampeln. Einige Male ist der kleinste Gang
fast zu gross, aus den Klickpedalen aussteigen ratsam. Nur mit Mühe geht’s
nicht in den Strassengraben. Fix und foxi – endlich kommt der Camping in Flakstad
in Sicht. Das Wetter ist garstig (Regen, starker Wind), wird so in den nächsten
Tagen bleiben. Was soll`s, wir machen es uns nach einer Nacht mit viel Wind im
Aufenthaltsraum gemütlich. Ein Pausentag ist fällig. Wäsche waschen und das
Nachtessen (z.B. Steak, Gemüse, Teigwaren oder Fleischboller mit Kartoffelstock
und Tomatensalat) mal wieder in einer Küche zubereiten. Dazu Wein (siehe oben).
Es geht uns gut!

Mitternachtssonne und stürmisches, nasses Wetter.
Mitternachtssonne und stürmisches, nasses Wetter.
Sorvägen, fast an der Spitze der Lofoten.
Sorvägen, fast an der Spitze der Lofoten.
Wild campen, so wie wir es lieben!
Wild campen, so wie wir es lieben!

Von Tromsö zum Grillefjord, Fähre nach Andenes auf den Vesterälen-Inseln

Wir haben uns vorgenommen, möglichst nah an der Küste nach Bergen zu
fahren. Gut 15 Kilometer nach Tromsö wird die Strasse schmal, steigt stark an
und das Beste für uns, es gibt nur sehr wenig Verkehr. Bis zum Gryllefjord und
zur Fähre nach Andenes sind die Etappen traumhaft. Jeden Tag heisst es, etliche
Höhenmeter klettern. Flach ist die Strasse nie, der Schweiss fliesst in Strömen.
Dafür sagenhaft schöne Täler, Seen, weite Buchten mit weissem Sand und immer
wieder direkt am Meer pedalen. Hammermässig sind die Plätze zum Campen – sicher
haben wir die schönsten gefunden (so kommt es uns auf jedenfall vor). Austernfischer
brüten ganz nah und wir bestaunen die gut getarnten Eier, dann lassen wir die
schönen Vögel in Ruhe.

In Andenes haben uns die Wohnmobile und der Reisebustourismus wieder. Das
Wetter schlägt um. Tief hängen schwarze Wolken an den zerklüfteten Berghängen,
verheissen nichts Gutes. In der Nacht auf den 2. Juli wird’s dann stürmisch. Die
Idee, das Zelt nah am Meer auf einen Hügel zu stellen, ist wegen der Mücken
gut. Bei böigem Wind mit Regen aber nicht so klever. Pit muss morgens um drei
raus und ausgerissene Heringe neu setzen. Wir haben noch alles, nichts ist
kaputt, sind um eine Erfahrung reicher.

Austernfischer (Bild leider nicht von uns)
Austernfischer (Bild leider nicht von uns)