Unser gemütliches Guesthouse in Luang Namtha.
Unser gemütliches Guesthouse in Luang Namtha.

Viel Schwein auf der Strasse, aber wenig im Teller

Die Strecke bis an den Mekong, Grenzfluss zu Thailand, bleibt bergig und fährt uns nochmals kräftig in die Knochen. Die Steigungen sind nicht lang, aber häufig und recht giftig; bei

der Hitze, tagsüber um die 30 Grad, schmoren wir im eigenen Saft. Wunderschön dafür die grüne Landschaft mit Tropenwald und weniger schönen Kautschukplantagen, kleinen Dörfern und vielen an der Strasse spielenden Kindern. Ab und zu kommen

uns Federvieh und Schweine in die Quere, Autos sehen wir kaum noch. Da und dort qualmt Stroh auf abgeernteten Reisfeldern, alte und junge Hände schleppen schwere Garben zu einfachen Dreschmaschinen, die rumpelnd ihre Arbeit verrichten. Laotische Landidylle . . . selbst die vielen in der Sonne dösenden Hunde lassen uns in Ruhe. Das gemütliche Velofahren auf sehr guter Strasse bleibt ein Genuss; wir lassen die Seele baumeln. Nach Luang Namtha kreuzen uns an einem Tag gleich drei Radfahrer. Ein holländisches Ehepaar in unserem Alter radelt nach China; Robert pedalt seit neun Monaten von Wien aus Richtung Osten und bereist nun Indochina. Die ersten Velofahrer seit etlichen Wochen, denen wir begegnen.

Luang Namtha, ganz im Norden von Laos, liegt am Rand einer weiten Ebene.
Luang Namtha, ganz im Norden von Laos, liegt am Rand einer weiten Ebene.

Mühsam für uns ist die Verpflegung abseits grösserer Orte. Es gibt hier im Norden von Laos kaum etwas, das sich Restaurant nennen könnte. Das Angebot in den kleinen Dorfläden ebenfalls mager, ausser Reis, Nudeln und trockenen Keksen sind kaum Lebensmittel zu finden. Gemüse und Fleisch fehlen fast ganz, ab und zu gibt’s Bananen, das war´s.

Vor ein paar Tagen klappern wir das ganze Dorf für ein Mittagessen ab. „Was haben Sie?“, Schulter zucken. „Haben Sie Fleisch?“, nein, kein Fleisch. „Haben Sie Gemüse?“, kein Gemüse da. Wir zeigen auf ein Dutzend Eier auf dem Tisch, versuchen zu deuten, dass sie uns Rührei machen könnte. Ein verständnisloser Blick lässt uns zweifeln ob die Frau weiss, dass man Eier in eine Pfanne schlagen kann. Obermühsam. Erst im letzten Haus, nach einigem Herumfragen, bekommen unsere hungrigen Velofahrermägen Nudelsuppe vorgesetzt. Erstaunlich, wie sich Essensgewohnheiten innerhalb von hundert Kilometern unterscheiden können. (In China haben wir sehr gut gegessen, vor allem viel verschiedenes Gemüse und delikate Suppen. Und Thailand, wo wir jetzt fahren, steht dem nördlichen grossen Nachbarn kulinarisch in nichts nach. Im Gegenteil, die Gerichte sind vielfältig und scharf gewürzt, was besonders Pit mag).

Für die letzten zwei Kilometer über die neue „Brücke der Freundschaft“ nach Thailand müssen wir den Bus nehmen. Velofahrer und Fussgänger dürfen sie nicht benützen; knapp 10 Franken kostet uns das Verladen und Mitreiten. Die Fährverbindung über den breiten Strom wurde irgendwann gegen Ende 2013 eingestellt. Nächsten März nehmen wir das schöne, gastfreundliche Laos weiter südlich nochmals unter die Räder.

Laos

Der Grenzübertritt nach Laos ist rasch geschafft. Hüben wie drüben einen Stempel in den Pass; voilà, das war´s. Schweizer und Luxemburger brauchen für 15 Tage Aufenthalt mit Einreise auf dem Landweg in Laos kein Visum. Warum wir so privilegiert sind? Keine Ahnung.

Sonne und Luft sind die gleichen, Schmetterlinge und Vögel sind mal chinesisch, mal laotisch, selbst Schlangen und anderen Tieren ist die Grenze Wurst. Bäume, Büsche und Blumen hier wie da, wir sehen keinen Unterschied.

Und doch, eine neue Welt tut sich für uns auf. Kaum Verkehr und vor allem kein Gehupe mehr, Fussgängern wird Vortritt gelassen, fröhlich grüssende Kinder und winkende Erwachsene in den Dörfern; dutzendmale wird uns "Sabaidee", Hallo, zugerufen. Die einfachen Behausungen aus Holz und Bambus wirken aufgeräumt, rundum kein Abfall, nur sehr wenig Müll entlang unserer Strasse. Endlich wieder mal richtiges Brot, Konfitüre, Rührei und guten Bohnenkaffee am Morgen – himmlisch! (Nudelsuppe zum Frühstück, weder Tee noch Kaffee – das war nicht unser Ding in China). Ein paar Brocken Englisch können viele und Essen bestellen wird einfach. Steak mit Pommes, Spaghetti an richtiger Tomatensauce, scharfer Curry und und . . . ein Vergnügen, sich quer durch die Karte zu schlemmen. Erst mal ist für uns europäische Küche angesagt. Laos erinnert in vielem an die gastfreundlichen Philippinen mit ihrer fröhlichen Bevölkerung. Vielleicht sind unsere Sonnenbrillen darum rosarot beschlagen. Wie auch immer, unser 33. Veloreiseland gefällt auf Anhieb; wir sind gespannt, was vor uns liegt.

Knapp vier Monate sind vergangen, seit wir in Teheran wegen diverser Visa einen Stadtmarathon laufen mussten. Das Einholen des Tourist-Visa für Thailand in Laos Hauptstadt Vientiane, eine Flugstunde entfernt, wird zur echten Geduldsprobe und stellt alles Bisherige in den Schatten. Dreieinhalb Stunden anstehen und immer wieder warten, bis – endlich – mit dem Bezahlen von 2010 Kip der Antrag mit Pass über den Schaltertisch geht. An dem Montagmorgen stehen fast 500 Personen an, die ersten sicher mehr als eine Stunde vor Türöffnung. Einen Tag später sind die Dokumente fertig. 2 x 30 Tage innerhalb dreier Monate dürfen wir in Thailand bleiben.

Und einmal mehr sorgt der Zufall für eine nette Überraschung. Bettina und Claudia, die beiden fitten Wiener Ladys auf grosser Tour, die wir vor sechs Monaten in Georgiens Hauptstadt Tiflis getroffen haben, checken im gleichen Guesthouse ein. Sie sind über Kasachstan, den Pamir Highway und weitere hohe Pässe im Tibet nach Laos gestrampelt.

 

Zuela Guesthouse und Restaurant, Lang Namtha, Laos. Einfache, saubere Zimmer in schönen Holzhäusern, viele Backpacker. www.zuela.asia

 

Guesthouse Mixay Paradise, Vientiane. Günstiges Guesthouse mitten in der Stadt; freundliches, englisch sprechendes Personal. laomixayparadise@yahoo.com

 

Der Nachtfalter (Lyssa zampa docile) hat eine Spannweite von gut 10 cm.
Der Nachtfalter (Lyssa zampa docile) hat eine Spannweite von gut 10 cm.