Panguipulli Lake, Chile, Februar 2018
Panguipulli Lake, Chile, Februar 2018

Ab 20.5.2018


Jose Luis und Emilio Angel sind angefressene Radfahrer. Wir bekommen eine Stadtführung und lokale Spezialitäten spendiert. Danke für den interessanten Abend. Prost! Muchos gracias!
Jose Luis und Emilio Angel sind angefressene Radfahrer. Wir bekommen eine Stadtführung und lokale Spezialitäten spendiert. Danke für den interessanten Abend. Prost! Muchos gracias!
Hinweis im Hotelzimmer. Haustiere nicht erlaubt!
Hinweis im Hotelzimmer. Haustiere nicht erlaubt!

Flaues Karibik-Feeling

Die Karibikküste an der Costa Esmeralda haut uns nicht vom Hocker. Viele Hotels, manche machen einen heruntergekommenen Eindruck, säumen den schmalen Streifen zwischen Strasse und Meer. Jetzt, in der Zwischensaison, ist kaum etwas los. Die wenigen Touris, die am Strand entspannen, sind Einheimische; das Meer ist rau und grau, kann uns nicht zum Baden animieren. Selber kochen, auf das wir uns gefreut haben, geht völlig in die Hose. Im einzigen kleinen Supermarkt gibt es so gut wie nichts, was wir brauchen könnten (von was leben die Menschen hier?), Gemüse fehlt weitgehend, dafür quellen die grossen Regale über von Schleckereien und Süssgetränken aller Art. Warum sind viele Mexikaner so furchtbar dick? (darf man fett sagen?). Die Antwort liegt vor uns. Aus den geplanten Ferientagen werden lediglich zwei Pausentage. Nein, so haben wir uns das nicht vorgestellt.

Am Morgen ist es noch nicht so heiss. Auf der MEX180 Veracruz zu.
Am Morgen ist es noch nicht so heiss. Auf der MEX180 Veracruz zu.

Als endlose Schlange dröhnt und stinkt der Verkehr auf den langen Geraden Veracruz zu. Schatten gibt es hier kaum, dafür einen Seitenstreifen der uns das Pedalen erleichtert. Mächtige Sattelschlepper und Autos die noch fahrbare Vehikel hinter sich her ziehen, oder mit Autoteilen und Motoren schwer beladene Lastwagen die Busse oder alte Lastwagen im Schlepptau haben, bestimmen den Verkehr. Ein junger Typ erzählt uns, dass die Autos und Lastwagen von der Grenze zur USA im Norden nach Guatemala im Süden gekarrt werden, wo sie dann instand gestellt neue Besitzer finden. Ein einträgliches Geschäft? Der Typ grinst vielsagend und ist verschwunden.

Wir schwenken zweimal auf kleine Strassen ab und geniessen die plötzliche Ruhe. Velofahren könnte so schön sein.

 

In der Musikstadt Veracruz

Veracruz ist der wichtigste Atlantikhafen Mexicos am Golf von Mexico. Nicht unbedingt die erste Touridestination, aber die kleine Altstadt hat ihren Reiz und was uns ungemein gefällt und in Bann zieht, ist die Musik, die die engen, verkehrsfreien Gassen am Wochenende vibrieren lässt. Nicht für Touristen wird getanzt und gespielt, vielmehr ist Folklore eine Herzenssache, die zu den Mexikanern gehört wie Tacos und Salsa picante. Jede Region, jede Ethnie in Mexico, und von denen gibt es viele, hat ihre Trachten, Tänze und Musik. Einflüsse aus Europa, Afrika, Kuba, dem arabischen Raum und den USA prägen die Musikstile. Wir saugen das Leben in den Strassen auf, mischen uns unter die Einheimischen. Und selbst in den frühen Morgenstunden liegen wir wach im Bett und lauschen den Tönen. So schön! Wie sehr haben wir Folklore dieser Art in Südamerika vermisst! 

Der Königspalast in der Ruinenstadt Palenque. Vor fast 2000 Jahren muss es ein prächtiger Bau gewesen sein.
Der Königspalast in der Ruinenstadt Palenque. Vor fast 2000 Jahren muss es ein prächtiger Bau gewesen sein.

Das moderne Palenque

Die ersten Spuren der Besiedelung lassen sich im vierten Jahrhundert nach Christus nachweisen. Über diese Frühzeit Palenques ist bislang nur wenig bekannt. Der erste historisch gesicherte Ajaw (König) war K'uk' Bahlam I. (431-435). Er wird in einem Text aus dem siebten Jahrhundert – dem bislang einzigen entdeckten Maya-Text, der über die Frühzeit Palenques Auskunft gibt – durchgehend als „Herr von Toktahn“ bezeichnet, was möglicherweise darauf hindeutet, dass die Herrscherdynastie ursprünglich nicht aus Palenque selbst stammte.

Der Tempel der Inschriften ist neben dem Herrscherpalast das zentrale Bauwerk der Maya-Stadt Palenque. Es wurde Ende des 7. Jahrhunderts als Grabmal des Herrschers (Ajaw) K'inich Janaab Pakal I. (auch Pakal der Große) errichtet. Der Bau wurde noch zu Pakals Lebzeiten begonnen und unter seinem Sohn und Nachfolger K'inich Kan Balam II. beendet. 1952 wurde bei archäologischen Ausgrabungen ein Gang und die Grabkammer entdeckt; der Sarkophag und die Mumie Pakals waren unberührt. Durch diesen Fund wurde die bis dahin vorherrschende Ansicht widerlegt, nach der es sich bei den Maya-Pyramiden ausschliesslich um Tempel handle. (aus Wikipedia)

Blüten des Flammenbaums.
Blüten des Flammenbaums.

Gemäss Recherche bleibt das Pedalen eintönig, der Verkehr wird nicht weniger, darum entschliessen wir uns den modernen, klimatisierten Bus bis ins 500 Kilometer entfernte Villahermosa zu nehmen. Günstige 55 Euro für uns beide kostet der Spass, die Velos reisen gratis mit.

Die 120 Kilometer bis Catazaja packen wir in eine Etappe. Irgendwo zwischen 35 und 39 Grad Celsius klebt das Quecksilber heute fest, kaum ein Lüftchen kühlt unsere heissen Birnen. Bis am frühen Abend rinnen wohl mehr als sechs Liter gesüsstes Wasser und Cola, das kleine Bierchen am Mittag nicht eingerechnet, durch unsere ausgetrockneten Kehlen. Anzahl Pinkelpausen: eine. Hoy es mucho calor. Selten sind Pit die letzten 25 km so lang vorgekommen, heute muss er echt durchbeissen.

Wir freuen uns auf das bekannte Palenque an der MEX199 und die Mayaruinen nicht weit vom Ort. Übermorgen nehmen wir den Collectivo Richtung Ocosingo und besuchen die 65 km südlich von Palenque gelegenen Wasserfälle Agua Azul. Ja, Kultur und Natur sollen in Mittelamerika nicht zu kurz kommen, das haben wir uns versprochen.

Nein, heute ist es überhaupt nicht heiss . . .
Nein, heute ist es überhaupt nicht heiss . . .
Herzlichen Dank für die Wassermelone! Wir werden immer wieder verwöhnt.
Herzlichen Dank für die Wassermelone! Wir werden immer wieder verwöhnt.

Palenque und Agua Azul

Für die Mayastadt Palenque nehmen wir uns einen Tag Zeit, geniessen die interessante Anlage und staunen über die hohe Ingenieur- und Handwerkskunst der Erbauer vor fast 2000 Jahren. So viel Treppensteigen ist etwas anderes als velölen; es wird ein kurzer Abend.

Eineinhalb Stunden dauert die Fahrt mit dem Collectivo (Kleinbus, mit dem die Einheimischen reisen) nach Agua Azul, dafür kostet der Ausflug nur knapp die Hälfte einer organisierten Tour. Mit grossem Getöse schiesst das azurblaue Wasser über die Kalksteinterrassen, beruhigt sich für kurze Momente um sich dann über die nächste Kaskade zu stürzen. Der Flussabschnitt hat etwas unwirklich-märchenhaftes, das verzaubert. Mal etwas anderes, aber sehenswert.

Am Ufer reihen sich Restaurants und Souvenirshops über hunderte Meter aneinander; das Angebot ist überall das gleiche, Konkurrenz ein Fremdwort, gelangweilte Verkäufer spielen mit ihren Handys, nirgendwo ist zu sehen, wie Schmuck und Lederwaren hergestellt werden. Heute ist nicht viel los. Es würde uns nicht wundern, wenn ein Teil der Waren „Made in China“ wäre. Bea möchte ein kleines Portemonnaie aus Leder für umgerechnet 4 Euro kaufen. Der Teenager am Stand hat kein Wechselgeld, spekuliert vielleicht darauf, den Rest geschenkt zu bekommen. Das machen wir aus Prinzip nicht. 

Agua Azul, 65 km südlich von Palenque, ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Agua Azul, 65 km südlich von Palenque, ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Das Erlebte passt gut ins Bild, das wir schon oft im südlichen Amerika bekommen haben, dass nämlich ein grosser Teil der Menschen keine Ahnung von Geschäften hat, ja dass sie diesbezüglich völlige Nullen sind. Englisch? nein, nein, wie eine ansteckende Krankheit wird die Frage weggewedelt. Desinteresse, Inkompetenz, Bequemlichkeit, das Smartphone wird selbst beim Bedienen nicht aus der Hand gelegt, immer wieder Kinder die verkaufen und betteln (in Equador schreitet der Staat entschieden ein), Beispiele gibt es viele. Symptomatisch ist, dass in allen grösseren Orten Billig-China-Shops wie Pilze aus dem Boden schiessen. Morgen gehört den cleveren Asiaten das Haus, übermorgen die Hälfte der Liegenschaften an der Strasse und die Einheimischen haben dem nichts entgegen zu setzten. Nein, den Chinesen kann man keinen Vorwurf machen. Wiederholt haben uns in verschiedenen Ländern Einheimische erzählt, dass sich in ihrem Land nichts bewege, ja dass es sogar Rückschritte in der Entwicklung gebe. Absolut tragisch. Vor allem wenn die fähigsten Köpfe das Land verlassen um im Ausland eine Existenz aufzubauen. Bea wird irgendwo anders ein Portemonnaie finden.

 

Wir nehmen die kleine Nebenstrasse CHIS10 über Land nach Emiliano Zappata, weg vom grossen Verkehr. In fast regelmässigen Abständen kurven wir um grosse Löcher und tiefe Bodenwellen, die wenigen Autos haben damit mehr Mühe, schnell fahren geht nicht, sehr zur Freude von uns Radfahrern. Nach fast einem Monat Mexico können wir bestätigen, was wir schon in den ersten Tagen festgestellt haben, dass die Autofahrer den Radfahrern Respekt zollen und Rücksicht beim Überholen nehmen. Beruhigend für uns. Muchos gracias automovilistas!

Grosse Rinderfarmen wechseln sich mit weitläufigen Naturkautschuk- und Palmöl-Plantagen ab. Vor allem die Palmenhaine sind u.a. wegen der negativen Einflüsse auf die Artenvielfalt und grossflächigen Abholzungen in Europa heftig umstritten. Ein Bekannter, der schon lange auf den Philippinen lebt, meint „dass sich im reichen Westen mit vollem Ranzen (Bauch) gut demonstrieren lässt“. Ein Arbeiter hier, der kaum Alternativen hat und seine Familie durchbringen muss, wird das genau so sehen.

Das laue Lüftchen macht das Fahren angenehm, immer wieder wird uns zugewunken, wünscht man uns eine gute Reise. Mexico ist ein tolles Land, das wir sehr geniessen. Zum wiederholten Male durchbricht ein tiefes, über Kilometer hörbares Röhren die Stille. Wüssten wir nicht, dass da Guatemala-Brüllaffen ihr Revier markieren, wir würden die schaurigen Töne irgend einer grossen Raubkatze zuordnen. Und dann, wieder auf der 186, bremst Pit aprupt ab und zeigt aufgeregt ins Gebüsch. Nur wenige Meter entfernt ruht sich eine Gruppe Brüllaffen, zur Familie der Klammerschwanzaffen gehörend und kleiner als Schimpansen, in Astgabeln aus. Sie lassen sich von uns nicht stören, selbst als Pit ihr tiefes Röhren zu imitieren versucht (ist eher zum Lachen als zum Fürchten, weiter üben!), haben sie höchstens ein Gähnen für uns übrig. Toll, die Tiere so nah zu sehen während der Verkehr an uns vorbei braust. Einmal mehr ein Privileg der Velofahrer.

Wir haben grosses Glück und dürfen Brüllaffen aus nächster Nähe beobachten.
Wir haben grosses Glück und dürfen Brüllaffen aus nächster Nähe beobachten.

Guatemala-Brüllaffen sind stämmig gebaute Primaten. Sie erreichen eine Kopfrumpflänge von 52 bis 67 Zentimeter, der Schwanz wird ebenso lang, die Männchen sind deutlich schwerer als die Weibchen. Ihr Fell ist lang, weich und seidig und generell schwarz gefärbt. Die Gliedmaßen sind lang und kraftvoll, der lange Schwanz ist als Greifschwanz ausgebildet, wird oft als dritte Hand benutzt. (aus Wikipedia)

Es gibt Interessanteres, als so endlos lange Geraden zu strampeln. Immerhin hat der Verkehr abgenommen und auf dem breiten Seitenstreifen lässt sich meist nebeneinander fahren. Vor uns taucht ein Punkt auf der sich tatsächlich als Velofahrer mit Gepäck entpuppt. Rodrigo ist Brasilianer, er ist in zwei Jahren von Sao Paulo über Venezuela(!), Kolumbien und Mittelamerika nach Mexico gefahren, hat meist wild(!) gezeltet und schwärmt von den tollen Menschen, die er auf seiner Reise kennen gelernt hat und nein, er habe nirgends Probleme gehabt. (Liest man die Reisehinweise des EDA und des Deutschen Auswärtigen Amtes auf dem Internet zu Mittelamerika, dann würde man die Länder besser meiden. Eine gewisse Vorsicht ist angebracht, trotzdem wollen wir uns selber ein Bild machen und bisher ist das Baugefühl absolut gut.)

Als hätte er Wespen in der Hose, tanzt Rodrigo mit seiner GoPro um uns herum und freut sich sehr, Gleichgesinnte zu treffen. Seine Freude ist ansteckend. Weder er noch wir haben bisher in Mexico Radfahrer getroffen, darum geniessen wir den kurzen Schwatz doppelt. Gute Reise, Kumpel!


Das B&B Samarce House in Punta Arenas war eine der besten Adressen zum Übernachten, die wir in ganz Südamerika hatten. Marcela und Samuel tun alles, damit sich ihre Gäste wie zu Hause wohlfühlen. Familiär – wo wird man am Morgen schon mit einer herzlichen Umarmung begrüsst? - sehr hilfsbereite Gastgeber, zentral, tolles Frühstück am grossen Tisch mit Familie und anderen Gästen, gut geheizte Zimmer und funktionierendes WiFi. Eine Unterkunft, die man für eine Nacht bucht und dann mindestens eine Woche bleibt. Können wir sehr empfehlen!

Samarce House, España 940, 6200551 Punta Arenas, Chile

 

Velogeschäft Morgoni Bike, Riquelme 79, Punta Arenas, margonibike@gmail.com

+569 6607 9203

Hier kriegt man Fahrradkartons, und wer es bequem mag kann sein Velo einpacken und sich samt allem Krempel zum Flughafen fahren lassen.

Mexico

In 26 Stunden lassen wir uns in eine andere Welt katapultieren. Für unseren Geschmack viel zu schnell, aber es gibt keine Alternative. Obwohl die Kartonschachteln mit den Velos nach zweimal Umsteigen ziemlich lädiert aussehen, haben wir Glück. Keine Beschädigungen und alles Verpackte ist noch da. Unser Hotel liegt mitten in der Megacity Mexico Stadt (9 Mio. Einwohner, in der Metropolregion sind es unglaubliche 20 Mio., die Megastadt liegt auf 2250 m ü.M.); hundemüde verkriechen wir uns erst mal in die weichen Betten. Die letzte Nacht im Flughafen Lima (neun Stunden warten) war lang und die Sitzbänke zum Dösen (Pit) und Schlafen (Bea) hart. Morgen wird erst mal ausgeschlafen bevor wir dann die Räder zusammenbauen, neu packen und den nächsten Supermarkt ansteuern.

Warum Mittelamerika? Warum nicht die USA? Keine Frage, die Staaten sind für uns zur Zeit absolut keine Option. Wir wollen vorwärts pedalen, nicht zurück, und schon gar nicht in ein westliches Land wo Boltonköpfe, sorry, Betonköpfe und Dummschwätzer die halbe Welt malträtieren und mit dem Feuer spielen. Wir halten uns an Kant, der schon vor 250 Jahren erkannte, dass „der Mangel an Urteilskraft eigentlich das ist, was man Dummheit nennt, und einem solchen Gebrechen nicht abzuhelfen ist“ oder wie Schopenhauer bissig bemerkte „es gibt Kamele mit einem Höcker, und es gibt welche mit zwei Höckern, die grössten Kamele aber haben keinen“. Wir recht die grossen Philosophen doch haben! Gestern wie heute.

Ein blühender Flammenbaum, immer wieder ein Hingucker!
Ein blühender Flammenbaum, immer wieder ein Hingucker!
Die Sonnenpyramide, links hinten, ist die weltweit drittgrösste bekannte Pyramide. (Foto Travelzoom)
Die Sonnenpyramide, links hinten, ist die weltweit drittgrösste bekannte Pyramide. (Foto Travelzoom)

Teotihuacan ist eine der bedeutendsten prähistorischen Ruinenstädte Amerikas. Das Gebiet war bereits seit dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert permanent besiedelt. Zwischen 100 und 650 nach Christus war die Stadt das dominierende kulturelle, wirtschaftliche und militärische Zentrum Mesoamerikas. Auf dem Höhepunkt ihrer Entwicklung hatte sie möglicherweise bis zu 200.000 Einwohner. Damit war sie zu ihrer Zeit die mit Abstand grösste Stadt auf dem amerikanischen Kontinent und eine der größten der Welt. Ab etwa 650 schwand ihr Einfluss, bis sie um 750 aus noch nicht vollständig geklärten Gründen weitgehend verlassen wurde. (aus Wikipedia)

Zentralamerika ist eine vielschichtige Region mit interessanten Staaten und der Karibik vor der Haustür. Wir hätten beispielsweise Belize eher in Afrika vermutet als auf der Halbinsel Yucatan. Die Natur muss grandios sein, wie wir lesen und hören, und wer sich für Geschichte und Kultur interessiert, dem wird viel geboten. Und es lockt Wärme, die vor allem Bea seit Monaten vermisst hat. Es brauchte keine Überredungskünste. Auf nach Mexico!

Flor und Emilio laden uns von der Strasse weg in ihr im Bau befindliches Ferienhaus ein.
Flor und Emilio laden uns von der Strasse weg in ihr im Bau befindliches Ferienhaus ein.
Das Hotel Constitucion wurde sehr schön renoviert. Wir werden herzlich begrüsst, dürfen die Velos auf der Terrasse vor unserem Zimmer abstellen.
Das Hotel Constitucion wurde sehr schön renoviert. Wir werden herzlich begrüsst, dürfen die Velos auf der Terrasse vor unserem Zimmer abstellen.

Mexico City liegt hinter uns. Wir waren überrascht, wie viele Radwege und -streifen es in der Innenstadt gibt, trotzdem, das Pedalen aus solch grossen Mega-Citys ist nie ein Zuckerschlecken. Grösser könnten die Unterschiede zu Patagonien kaum sein. Überall Abfall, die Gewässer stinken zum Himmel, viele Autos sind rauchend-röhrende Rostlauben ohne Licht und Blinker, die Strassen wie in Peru und Kolumbien Wohnzimmer, Werkstätte und Deponie von allerlei Gerümpel zugleich, die Polizei ist allgegenwärtig. Grandios ist dafür das günstige Warenangebot in den Supermärkten (vor allem in der Hauptstadt, wie wir später feststellen müssen) und das viele schöne Gemüse weckt vergessen geglaubte Gelüste. Nein, man sollte nie mit leerem Magen einkaufen.

Viel Ortsnamen sind echte Zungenbrecher.

Wir haben den Eindruck, dass hier in Mexico jeder Zweite irgend etwas mit Autos zu tun hat. Bei den vielen alten Mühlen die herumfahren, kein Wunder.
Wir haben den Eindruck, dass hier in Mexico jeder Zweite irgend etwas mit Autos zu tun hat. Bei den vielen alten Mühlen die herumfahren, kein Wunder.

Wir rollen nach Nordosten, der Karibikküste entgegen. Die 30 Grad Temperaturunterschied zu Patagonien machen zu schaffen. Kann der Mensch so viel schwitzen? Das hatten wir seit etlichen Monaten nicht mehr. Jedenfalls tut uns die Sonne soooo gut. Die Sonnencreme erlebt ein revival. Positiv überraschen die Auto- und Lastwagenfahrer. In Mexico wird weniger schnell gefahren als in Chile, und vor allem nimmt man auf uns Rücksicht, überholt mit genügend Abstand. Trotzdem touchiert am zweiten Tag ein Bus beim Überholen Bea's Fahrradrückspiegel, was ihr einen gehörigen Schrecken einjagt. Ein altbekanntes Übel wenn zwei Lastwagen zu nah aufeinander fahren, ersterer überholt, ohne den Blinker zu betätigen und der zweite Chauffeur für einen Moment unaufmerksam fährt. Wieder mal Glück gehabt.

Teotihuacan, die Ruinenstadt 45 km ausserhalb der Hauptstadt, ist ein erster Höhepunkt unserer Mexicotour. Man weiss bis heute nicht genau wer die Menschen waren, die hier vor 2000 Jahren mächtige Pyramiden und moderne Wohnstätten auf mehr als 20 km2 geschaffen haben.

Ist die Landschaft in den ersten Tagen weitgehend von grossen Feigenkakteen und trockener Steppe geprägt (wo gibt es Schatten?), tauchen wir innerhalb eines Tages hinter Xicotepec in dichten, grünen Urwald ein. Grosse Schmetterlinge, leuchtende Blumen, Philodendron und tiefrot blühende Flammenbäume – wir lassen uns einmal mehr verzaubern. Sagenhaft schön!

Überhaupt zeigt sich uns Mexico bis jetzt von einer Seite, die wir uns gerne gefallen lassen. Kaum ein Tag vergeht, an dem wir nicht beschenkt oder eingeladen werden. Die Hilfsbereitschaft ist gross und ohne eine innige Umarmung und beste Segenswünsche werden wir nie verabschiedet. Wir hoffen das Land weiterhin so geniessen zu dürfen.

Der Danza del Volador oder auch Juego del Volador ist ein zeremonieller Tanz, der von den indigenen Völkern der Olmeken und Totonaken in mehreren Orten Mexikos und Guatemalas (z. B. Tulúm, El Tajín, Papantla) zelebriert wird und vermutlich auf präkolumbische Zeit zurückgeht. Vermutlich handelte es sich ursprünglich um einen Fruchtbarkeitskult.

Für den Danza del Volador klettern fünf Männer den etwa 25 m hohen palo volador hoch, an dessen Spitze eine kleine Plattform angebracht ist. Vier Männer binden sich ein Seil um, während der fünfte auf dem Pfahl Platz nimmt und eine Einhandflöte und Handtrommel spielt. Die vier Männer (Voladores) symbolisieren die vier Winde, der fünfte Mann gilt als Symbol der Sonne. Die Sonne begrüsst die vier Himmelsrichtungen mit ihrem Spiel. Sie wendet sich diesen nacheinander zu und tanzt auf der Spitze. Danach lassen sich die vier Winde kopfüber langsam mit 13 Drehungen auf die Erde nieder. Die Sonne spielt während dieser Zeit die Trommel und Flöte. Nachdem die vier Winde die Erde erreicht haben, begibt sich die Sonne am Stamm oder über eines der Seile auf die Erde nieder. (aus Wikipedia)

El Tajín war wahrscheinlich zeitweilig Hauptstadt der Tachiwin, weist mehrere grosse, pyramidenförmige Stufentempel auf und wurde vor 800 Jahren aufgegeben. Nach ihr wurde die Tajín-Kultur benannt.

Die Stadt wurde im 1. Jahrhundert v. Chr. wahrscheinlich von den Totonakengegründet, die sie vermutlich auch als Hauptstadt nutzten. Die Blütezeit war von 700 n. Chr. bis 900. Um 1200 wurde die Stätte wieder verlassen. Man nimmt an, dass die Tolteken eine Zeit lang über El Tajín herrschten. (aus Wikipedia)

Mexico ist sehr, sehr bunt!
Mexico ist sehr, sehr bunt!