(25.4.2017) Unwetter in Ecuador - uns geht es gut

Starke Regenfälle haben hier in Ecuador an vielen Orten Überschwemmungen und Erdrutsche verursacht. Chunchi, ein kleiner Ort in den zentralen Anden, ca. 230 km südlich von Quito, wo wir uns zur Zeit aufhalten, wurde tragisch getroffen (der Blick hat davon berichtet). Eine Geröll- und Schlammlawine hat Häuser und Autos verschüttet. Es gab leider auch Todesopfer. Noch sind nicht alle Verschütteten gefunden, zudem ist die Wasserversorgung unterbrochen. Die Strasse bleibt noch mindestens drei bis vier Tage gesperrt.

Uns geht es gut. Mangels Alternativen bleiben wir vorläufig in unserem Hotel und warten mit weiteren Radreisenden auf die Öffnung der Strasse nach Cuenca.

 

 

Der Quilotoa, ein 3914 m hoher, seit 800 Jahren schlafender Vulkan mit seinem faszinierenden, 250 m tiefen Kratersee.
Der Quilotoa, ein 3914 m hoher, seit 800 Jahren schlafender Vulkan mit seinem faszinierenden, 250 m tiefen Kratersee.

Weiter auf der Panamericana

Am Sonntag, 16. April, lassen wir Quito hinter uns. Schönes, warmes Wetter und wenig Verkehr machen das Pedalen angenehm, ja wir dürfen sogar ein Stück mit Fahrradenthusiasten auf abgesperrten Strassen mitfahren. Quito hat die tolle Idee von Bogota übernommen. Schön wäre, wenn Taxi- und Busfahrer etwas von der sonntäglich erzwungenen Rücksichtnahme auf Radfahrer in die nächste Werktagswoche mitnehmen würden.

 

In Latacunga entfliehen wir der lärmigen Panamericana für zwei Tage und lassen uns bequem per Bus in die Berge fahren. Der Quilotoa, ein 3914 m hoher, seit 800 Jahren schlafender Vulkan mit seinem faszinierenden, 250 m tiefen Kratersee, ist eines der bekanntesten Wandergebiete in Ecuador. Der Krater lässt sich in vier bis sechs Stunden umwandern, je nach Kondition. Wir lassen uns nur auf ein Teilstück ein, die dünne Luft macht gehörig zu schaffen. Schon allein die zweistündige Busfahrt ab Latacunga macht den Ausflug zum besonderen Erlebnis. Einfach unglaublich an welch steilen Hängen Weizen, Kartoffeln, Mais, Bohnen, Kohl und anderes Gemüse angebaut werden.

Die Umrundung des Krates lassen wir bleiben. Das Velofahren in solchen Höhen fordert uns genug.
Die Umrundung des Krates lassen wir bleiben. Das Velofahren in solchen Höhen fordert uns genug.

Wer sich auf die Busfahrt nach Sigchos einlässt, bekommt Spektakuläres geboten. Die schmale, zeitweise holprige Strasse windet sich in vielen Haarnadelkurven steil in Schluchten hinunter und auf der anderen Talseite – manchmal bleibt fast die Luft weg – in nicht minder vielen Kurven himmelwärts. Natürlich gibt es nirgends Leitplanken. Dort, wir trauen unseren Augen kaum, klebt tatsächlich ein Traktor mit Pflug an einer steilen Bergflanke, kriecht entlang einer Krete den Berg hoch um dann weiter links in senkrechter Falllinie seine Furchen talwärts zu ziehen. Wahnsinn! Fasziniert vom Schauspiel bleibt der Fotoapparat leider im Rucksack.

Wir ziehen den Hut vor den Indigenas, diesen kleinen, feingliedrigen, freundlichen und fröhlichen Menschen, die hier in den Bergen bis auf 3900 m ü.M. Landwirtschaft betreiben und in einfachsten Verhältnissen leben. (Nach international geltender Definition werden diejenigen Bevölkerungsgruppen, die Nachkommen einer Bevölkerung sind, die vor der Eroberung, Kolonisierung oder der Gründung eines Staates durch andere Völker in einem räumlichen Gebiet lebten, und die sich bis heute als ein eigenständiges „Volk“ verstehen und eigene soziale, wirtschaftliche oder politische Einrichtungen und kulturelle Traditionen beibehalten haben als indigene Völker bezeichnet).

 

Heute sind wir in Ambato, einer Kleinstadt 120 km südlich von Quito angekommen. Fast wäre Bea von einem Taxi zu Fall gebracht worden und wenig später bietet ihr eine junge Ecuadorianerin ihr einjähriges Mädchen zum Kauf(!) an. Fahren wir heute im falschen Film? Den Tag – es regnet wieder mal - rettet dann ein feines Nachtessen; wir bekommen feines conejo (Kaninchen) vorgesetzt, eine willkommene Abwechslung für unsere hungrigen Radfahrermägen!

Teilansicht von Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt.
Teilansicht von Quito, der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt.

Quito

Vor zehn Tagen sind wir in Quito, der auf 2850 m ü.M. höchstgelegenen Hauptstadt der Welt, angekommen. Hinter uns liegen anstrengende aber landschaftlich tolle Etappen. Mit jedem Tag ist uns Ecuador mit seinen freundlichen, hilfsbereiten Menschen mehr ans Herz gewachsen.  

Nach zwei Pausentagen hat Fritz sein Stahlross wieder gesattelt und ist alleine weiter Richtung Peru geradelt. Er will seinen bereits gebuchten Rückflug in die Schweiz nicht verpassen. Fritz, wir wünschen dir für deine 2100 Kilometer bis Lima alles Gute, immer Luft in den Reifen und möglichst wenig überschwemmte Strassen. Es hat Spass gemacht, mit dir unterwegs zu sein! Toi, toi, toi!

Manche Senioren sitzen schon seit Jahren auf der Bank.
Manche Senioren sitzen schon seit Jahren auf der Bank.

Ecuador, erste Eindrücke

Bei unserem 43 Reiseland Ecuador haben wir das Gefühl, definitiv in Südamerika angekommen zu sein. Kolumbien hat uns gut gefallen, keine Frage. Für uns war das Land ein idealer Einstig in einen neuen, fremden Kontinent, den wir nur vom Hörensagen und von Berichten anderer Radreisender kennen. Länder vergleichen ist immer heikel, in jedem Fall persönlich gefärbt und subjektiv.

 

Trotzdem, wir staunen wie unterschiedlich die beiden Nachbarländer auf uns wirken. Gleich nach der Grenze bei Tulcan überziehen gepflegte Wiesen, Äcker und Hecken das bergige Land wie ein riesiger Flickenteppich, selbst auf steilsten Bergflanken werden Kartoffeln, Mais, Bohnen, Tomaten, Rüben und anderes Gemüse angebaut. Viele Felder sind so steil angelegt, dass sie nur in mühsamer Handarbeit bewirtschaftet werden können. Überall wird gearbeitet, Müssiggang sieht man selten, Spielkasinos und Billardlokale haben wir bisher keine gesehen. 

Genial: in Restaurants findet man hier tatsächlich Gemüsebeilagen und Salatteller auf der Speisekarte – richtiger grüner Salat, aromatische Tomaten, Karotten und Kohl. Das lassen wir uns nicht entgehen!

Wohltuend für Augen und Nasen ist, dass kaum Abfall herumliegt. Damit hängt wohl auch zusammen, dass es hier weniger Hunde gibt als in Kolumbien, zudem schreibt die Regierung vor, dass Strassenhunde kastriert werden müssen, wie man uns berichtet. Die, die es gibt, lassen uns bis auf wenige Ausnahmen in Ruhe (Fritz wird der Aussage nur bedingt zustimmern: er wurde vor ein paar Tagen übel in die Wade gebissen).

(Unsere gefahrene Strecke aktualisieren wir wenn möglich täglich unter der Rubrik „Bereiste Länder und Routen, 2012 – 2017“)

Und plötzlich taucht er auf, der erste Vulkan in Ecuador, den wir sehen (vermutlich der Cayambe, 5790 m).
Und plötzlich taucht er auf, der erste Vulkan in Ecuador, den wir sehen (vermutlich der Cayambe, 5790 m).
Die Landschaft begeistert jeden Tag neu!
Die Landschaft begeistert jeden Tag neu!
Ein komfortables Hotel und erst noch bezahlbar.
Ein komfortables Hotel und erst noch bezahlbar.

Motorräder sind fast gänzlich aus dem Verkehr verschwunden, dafür gibt es mehr Autos. Die Busse stinken ebenso erbärmlich wie in den zwei Monaten zuvor und viele der Kleinbusfahrer rasen genau so dämlich nah an uns vorbei, wie vorher.

Sehr angenehm für unsere Ohren ist, dass hier in Ecuador mal wieder in normaler Lautstärke „normale“ Musik zu hören ist. Die immer gleichen, viel zu laut hämmernden Herz-Schmerz-Bumm-ba-Bumm-ba-Rhythmen an jeder Strassenecke in Kolumbien waren mit der Zeit nervig. Wer hört schon von frühmorgens (einmal war es 05.30 Uhr) bis abends bei voller Lautstärke Helene Fischer und das sieben Tage die Woche?! Bei allem Respekt, Kolumbien hat in Sachen Musik viel mehr zu bieten.

 

Das sind unsere ersten Eindrücke von Ecuador. Wir bleiben noch eine Weile da und freuen uns auf alles, was noch kommt.

 

Ecuador ist sehr bergig, zum Velofahren eine echte Herausforderung.
Ecuador ist sehr bergig, zum Velofahren eine echte Herausforderung.
Bauern trocknen Bohnen auf einer abgesperrten Strasse.
Bauern trocknen Bohnen auf einer abgesperrten Strasse.
Der Imbabura, 4609 m
Der Imbabura, 4609 m
Der Imbabura von einer anderen Seite.
Der Imbabura von einer anderen Seite.