Chamäleons sind faszinierende Tiere. Und weil sie sich sehr langsam bewegen, gut zu fotografieren.
Chamäleons sind faszinierende Tiere. Und weil sie sich sehr langsam bewegen, gut zu fotografieren.

Liebe Freunde und Mitreisende, leider haben unsere Ferientage in der Schweiz nicht gereicht, um mit allen, die wir gerne getroffen hätten, ein paar gemütliche Stunden zu geniessen. Wir entschuldigen uns und hoffen, euch beim nächsten Heimaturlaub treffen zu dürfen. 

Trotz den täglichen leidvollen Nachrichten aus Osteuropa wünschen wir von Herzen farbenfrohe Frühlingstage. Bea und Pit


Wegen seines roten Federkleides wird er Kardinal genannt. Ein besonders schöner Vogel auf La Réunion.
Wegen seines roten Federkleides wird er Kardinal genannt. Ein besonders schöner Vogel auf La Réunion.

La Réunion,
Insel der Haie

Neben schweisstreibenden
900 Kilometern markierten Wanderwegen können Sonnenhungrige entlang der West- und Nordküste weisse und schwarze Sandstrände geniessen und im 25 Grad warmen Wasser plauschen. Zumindest dort, wo Baden erlaubt ist. Das eine tun und das andere nicht lassen gilt für uns besonders. Die Wanderschuhe gegen Sandalen tauschen, dazu müssen wir uns nicht überreden. Die feucht-heissen Temperaturen dämpfen unseren Bewegungsdrang. Nase und Arme mit Sonnencrème einschmieren und lieber im Schatten bleiben; unser bleicher Schweizer Winterteint muss sich erst an die erbarmungslos brennende Sonne gewöhnen.

Die meisten Strände sind durch ein breites Saumriff von der gigantischen Brandung des Indischen Ozeans geschützt (hier, in Saint-Pierre, donnern momentan bis vier Meter hohe Brecher an die Hafenmole). Die Flachwasserzone hinter dem Riff bietet Schutz vor gefrässigen Fischen. Tatsächlich haben Angriffe von Bullen- und Tigerhaien an der Westküste auf Surfer und Schnorchler seit zehn Jahren unverhältnismässig zugenommen, über die Gründe spekulieren die Fachleute nach wie vor. 

So richtig entspannt werden die ersten Badeversuche nicht. Bea lässt mir den Vortritt. An der Wassertemperatur kann es nicht liegen. Hauptsache die rote Warnflagge erscheint nicht am Mast (wie ich mich ab und zu vergewissere). Oder die Fische mit den scharfen Zähnen haben heute keinen Appetit.

Cilaos liegt auf einer flachen Ebene, umgeben von Bergen.
Cilaos liegt auf einer flachen Ebene, umgeben von Bergen.

Als Europäer sind wir auf der Insel in der Minderheit. Auf der Touristenhomepage ist zu lesen: 
La Réunion als Schmelztiegel der Kulturen: die Insel vereint europäische, madagassische, indische, asiatische und afrikanische Einflüsse und ist ein gutes Beispiel für ein harmonisches Zusammenleben. Mit ihren tausend Gesichtern ist La Réunion reich an dieser einmaligen Mischkultur, die sich in der Religion, der Kultur und der Kunst, aber auch in der Kochkunst des Landes widerspiegelt.

 

Wir erleben die Réunionnais als fröhliche, hilfsbereite Menschen, immer für einen kurzen Schwatz zu haben und stolz auf ihre Insel mit ihren Naturschönheiten. Die Einheimischen sprechen neben der einzigen Amtssprache Französisch Kréol, für uns ein unverständliches Kauderwelsch aus Französisch, Malagasy, Hindi, Portugiesisch, Gujarati und Tamil. Ebenso unterschiedlich werden natürlich die Religionen gelebt.

Wir fühlen uns sehr wohl inmitten dieses Vielvölkergemischs, das augenscheinlich gut miteinander auskommt. Es ist für uns ein ganz anderes Frankreich, als auf dem Kontinent erlebt.

Stairway to heaven

Diese Himmelstreppe gibt es tatsächlich in Cilaos (5'500 Einw., 1'250 m ü.M.), im Inselinneren. Davon später. 

Ab Saint-Louis an der Küste reihen sich auf 36 Kilometern enger Strasse nach Cilaos 420(!) Kurven aneinander! (Fahrpreis Fr. 1.70 pro Person). Eineinhalb Stunden Schwerarbeit für unseren kleinen Bus und Fingerspitzengefühl für den Fahrer in den drei Tunnels. Mehr als eine Handbreit Platz zur Tunnelwand bleibt beidseitig nicht. Dafür flössen die Tiefblicke gehörig Respekt ein – und lenken wohl so manchen Passagier vom flauen Magen ab, den die vielen Kurven verursachen können. 

Wer zwei, drei Wochen La Réunion bereist, mietet selbstverständlich ein Auto oder ist organisiert unterwegs. Ohne Auto geht für die Franzosen und die meisten Touris schlicht nichts. Nicht auf dem Kontinent und schon gar nicht hier auf der Insel. Wie wir erfahren, hat der Verkehr in den letzten Jahren grenzwertig zugenommen. Endlose, stinkende Blechkolonnen verstopfen die Dörfer an den Stosszeiten. Für uns war von Anfang an klar, dass wir wenn immer möglich per öV reisen wollen. Jetzt, nach einem Monat Inselleben, sind beinahe alle Bus-Fahrpläne im Internet aufgespürt, die meisten sind sogar aktuell. Im Ernst, es brauchte anfangs viel Geduld und Nerven, öV-Verbindungen von A nach B aufzustöbern. Glücklicherweise haben Busfahrerinnen und -fahrer ein grosses Herz für uns Schweizer Backpacker. Hilfe gibt es immer und man hält schon mal ausserhalb einer Haltestelle an, um uns einsteigen zu lassen.

Etliche schöne Touren sind nur mit einem Auto erreichbar. Wie hinkommen? Wir arbeiten daran.

Kann man machen, muss man aber nicht

Wir bleiben eine Woche im ruhigen Bergdorf Cilaos, geniessen die angenehmen Temperaturen, die kreolische Küche, wandern täglich und nehmen zum Abschluss die Himmelstreppe zum höchsten Berg im Indischen Ozean, dem 3070 m hohen Piton des Neiges, unter die Füsse.

In der Regel wird die Tour auf zwei Tage aufgeteilt, mit Übernachtung im Gîte du Piton des Neiges. Naiv, wer glaubt, kurzfristig zwei Betten in der Berghütte ergattern zu können (die Hauptsaison beginnt erst im Mai). Unterwegs erzählt uns ein französische Ehepaar, dass sie bereits im Dezember gebucht hätten. Und wegen Corona müssen bis Ende Juni(!) vier Betten bezahlt werden (zum Voraus, versteht sich). Und wenn es regnet? Pech für den Berggänger. Auf solche Manöver werden wir uns auch in Zukunft nicht einlassen, dafür ist uns das Spontane zu wichtig. Ihr könnt uns in die (Wander)Schuhe blasen! 

Wir steigen vier Stunden sehr steil, über hunderte, teilweise nasse Treppenstufen und einige ausgesetzte Kehren (stolpern verboten) zur Hütte auf und nach einer Rast klettern wir zurück ins Tal. Sieben Stunden konzentriertes Laufen hat uns und die Knie geschafft. Wir sind froh, den Bus zurück zum Hotel noch zu erwischen. Die Tour ist speziell, man muss sie aber nicht machen, finden wir. Bis auf wenige Stellen wandert man im dichten Unterholz, Weitblicke bleiben rar. Nicht wirklich unser Ding.


Blick auf Saint Denis, Hauptort von La Réunion im Indischen Ozean.
Blick auf Saint Denis, Hauptort von La Réunion im Indischen Ozean.

Exotische Perlen im Indischen Ozean

Seit dem 1. April sind wir erneut unterwegs. Nach mehr als neun Jahren reisen dürfen unsere zuverlässigen Stahlrösser weiterhin Pausenmonate in der Schweiz geniessen. Ja, es ist schier unglaublich, aber wir haben tatsächlich unsere Radtaschen gegen Reiserucksäcke getauscht! Es ist einen Versuch wert, Backpacker-Luft zu schnuppern, wenigstens für eine begrenzte Zeit.

Nach kurzer Wanderung treffen wir diesen farbenfrohen Gesellen. Wir wünschen uns viele solcher Begegnungen!
Nach kurzer Wanderung treffen wir diesen farbenfrohen Gesellen. Wir wünschen uns viele solcher Begegnungen!

Nach Tagen mit Formularen ausfüllen (phuu, in Französisch!), Coronatest erledigen und hoffen, keine Formalitäten vergessen und die aktuellsten Informationen im dichten Urwald des Internets aufgespürt zu haben, sitzen wir – endlich – im Airbus 380-1000. Das Grummeln im Bauch lässt nach. 

Elf Nachtstunden und zwei Gläser Bordeaux später hauen uns die 24 Grad Temperaturunterschied beinahe aus den Socken. Die warmen Steppjacken verkommt zum Witz. Wie prickelnd war die Vorfreude; jetzt tauchen wir in ein wenig bekanntes, exotisches Frankreich ein. 

Wer stört mich da beim Sonnenbaden? Auf La Réunion gibt es wunderschöne Chamäleons zu entdecken.
Wer stört mich da beim Sonnenbaden? Auf La Réunion gibt es wunderschöne Chamäleons zu entdecken.

La Réunion nennt sich die Perle im Indischen Ozean heute, früher Île Bourbon, unter Napoleon Île Bonaparte. Die Insel gehört mit dem nahen Mauritius und Rodrigues zu den Maskarenen, 2500 km2 klein, mit ca. 860'000 Einwohnern, überwiegend Kreolen (mehr dazu später). 

Willkommen zurück auf unserer Homepage!