Chamäleons sind faszinierende Tiere. Und weil sie sich sehr langsam bewegen, gut zu fotografieren.
Chamäleons sind faszinierende Tiere. Und weil sie sich sehr langsam bewegen, gut zu fotografieren.
Mauritius, wir kommen!
Mauritius, wir kommen!

Mauritius - Stern und Schlüssel des Indischen Ozeans

Ein kleiner Airbus-Hüpfer von einer Dreiviertelstunde trennt das französische La Réunion von der ebenfalls zur Inselgruppe der Maskarenen zählenden Nachbarinsel Mauritius, unserem nächsten Reiseziel. 

Bis zur winzigen Nachbarinsel Rodrigues, gut 600 km östlicher im Indischen Ozean und zu Mauritius gehördend, dauert der Flug eineinhalb Stunden. Auf der Karte ist die Stecknadel mitten im weiten Blau kaum zu finden. Den Abstecher lassen wir uns nicht entgehen! Lange 37 Stunden würde der Trip mit der Fähre dauern. Na ja, bei aller Freude am Meer doch etwas zu lang für uns. Mal sehen, was möglich ist.

Mystisch, die blühenden Zuckerrohrfelder.
Mystisch, die blühenden Zuckerrohrfelder.
Mauritiusfalke, von dem es 1974 nur noch 6(!) Exemplare gab, gilt nach wir vor als sehr bedrohte Art.
Mauritiusfalke, von dem es 1974 nur noch 6(!) Exemplare gab, gilt nach wir vor als sehr bedrohte Art.

Seit 1992 eine Republik, ist Mauritius 500 km2 kleiner als ihre französische Nachbarin La Réunion und vor allem als Bade- und Honeymooninsel bekannt, was dem Stern im Indischen Ozean nur teilweise gerecht wird, wie wir meinen. Mauritiu's Wahlspruch: Stella Clavisque Maris Indici („Stern und Schlüssel des Indischen Ozeans“) sagt viel über das Juwel aus.

Schnell wird klar, dass auch hier ohne Mietwagen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Nach drei Tagen Linksverkehr verwechsle ich den Blinker (rechts) nur mehr selten mit der Scheibenwischerbedienung (links). Die lästigen Bremsschwellen bei Fussgängerstreifen zwingen mich kaum noch zum brüsken Abbremsen, weil ich sie zu spät sehe. Dass auf Mauritius mitten auf der Strasse parkiert wird, ausgezogene Mittellinien lediglich Strassenschmuck sind und Zweiräder (Velos wie Motorräder) nachts unvermittelt ohne Licht auftauchen, daran gewöhnt sich der korrekt fahrende Mitteleuropäer rasch. Besser kurz nach links ausscheren um einheimische Drängler vorbei zu lassen, als riskante Überholmanöver zu provozieren. Trotzdem, uns gefällt Mauritius mit seinen verschiedenen Ethnien, den weiten Sandstränden, dem klaren Wasser und dem üppigen Grün der Nationalparks.

Nicht nur der Linksverkehr erinnert an Indien, auch die Bevölkerung hier im Südosten der Insel samt Strassenhunden. Immer wieder schieben sich prächtig bemalte und mit religiösen Figuren verzierte Hindutempel wie Kulissen ins Landschaftsbild. Exclusive Geschäfte mit feinen Saristoffen und indische Restaurants gibt es ebenso wie Strassenhändler, die Knoblauch und Zwiebeln für wenige Mauritius-Rupien verkaufen. Wer sich auf seine Nase verlässt, findet in den Städten einfache Garküchen, die leckere Currys und chinesische Nudeleintöpfe anbieten. Beim Hinschauen und abseits der Sandstrände und teuren Hotels Herumkurven, erleben Neugierige ein anderes, einfaches Mauritius. Manche Touris werden pro Tag so viele Rupien ausgeben, wie ein Arbeiter im Monat verdient.

Mauritius aus dem Reiseprospekt.
Mauritius aus dem Reiseprospekt.

Wenn sich zwischen Französisch und Englisch unvermittelt berndeutsche Wörter einschleichen, werden wir hellhörig. Jeannette und Tinu reisen seit vielen Jahren, sind gerade auf dem Weg nach Südafrika, wo in wenigen Wochen ihr Wohnmobil ankommen sollte, das in Bremerhafen nach langem Herumstehen endlich in den Bauch des Frachtschiffes fahren durfte. Wir geniessen die gemeinsamen Abendessen und gemütlichen Nachtstunden mit einer Flasche Wein am Pool. Ein bisschen berner Heimat tut nach Monaten in der Fremde gut (selbst wenn die beiden im Lauf der Jahre halbe Zürcher geworden sind).

Nicht selten macht der Regen den Sonnenhungrigen einen dicken Strich durch die Badetagerechnung. Mit angenehmen 20 bis 25 Grad tagsüber sind wir hier weit weg von europäischen Hitzerekorden, dafür sorgt ebenfalls der kühle Wind. Uns locken die Nationalparks sowieso mehr als die weiten Sandstrände. Trotzdem kommt das Plauschen im azurblauen Wasser nicht zu kurz. Wer das Kommen und Gehen der Vier- und Fünfsterne-Spatouristen am Strand von La Morne geniessen will, kann etwas zürcher Bahnhofstrassenflair geniessen, nur gemütlicher mit den Füssen im warmen Sand und dem Rollen der Brandung in den Ohren. 

Neben Gästen aus Europa, Asien und den USA tummeln sich überraschend viele Russen mit Familien im Wasser. Wenn Mann etwas auf sich hält, geht er nie ohne Drohne an den Strand. Es brummt und flirrt in der Luft, als würden sich ein Dutzend Bienenschwärme gleichzeitig auf uns stürzen. Das Kind im Manne. Sehr speziell und überall auf der Welt anzutreffen.

Die Wanderung im Nationalpark Vallee de Verney, nahe Mahébourg, entpuppt sich als absoluter Leckerbissen. Mehrere Hirschrudel nehmen vor uns reissaus, vorneweg flüchten Affen ins Unterholz. Flughunde kreisen am Himmel und tatsächlich wagt sich einer der seltenen Mauritius-Falken vor die Kameralinse! Der kleine Greifvogel, der nur auf Mauritius vorkommt und von dem es 1974 nur noch 6(!) Exemplare gab, gilt nach wir vor als sehr bedrohte Art. Wir Glückspilze! Einmal mehr!

Am Montag reisen wir für eine Woche nach Rodrigues.