Wunderschöne Impressionen unserer Kambodschareise

von Christian unter:

https://www.flickr.com/photos/128067465@N04/sets/72157650315083437

Vom Erleben und Erinnern

Bis Mae Sot basteln wir noch kräftig an unserem ökologischen Fussabdruck. Nach Monaten weitgehend flachem Pedalen geht es wieder richtig zur Sache. Viel Verkehr, vor allem grosse LKW’s, machen das Treten auf der breiten Strasse, die uns in weiten Wellen ständig auf und ab nach Mae Sot führt, nicht gerade zum Vergnügen. Die Anstiege sind happig, im kleinsten Gang gerade noch zu fahren; der rauchgeschwängerte Himmel ist bis zum Horizont trüb und die Luft stickig. Trotzdem, wir geniessen es, gefordert zu werden.

Nach Wochen ist das Velofahren in Thailand eintönig, fast langweilig geworden. Immer schönes Wetter, gut ausgebaute Strassen, keine Steigungen, jede Menge Möglichkeiten zum Verpflegen und Übernachten, freundliche Menschen und kaum Verständigungsschwierigkeiten – ideal, um in den Ferien drei, vier Wochen Fahrrad zu fahren aber ohne velofahrerische Herausforderungen (wir empfinden es so). Einen Teil der Route von Tak nach Bangkok fahren wir nordwärts ein zweites Mal in entgegengesetzter Richtung, können uns kaum erinnern, hier schon mal unterwegs gewesen zu sein. Im Gegensatz sind uns viele Erlebnisse und Abschnitte auf dem Weg nach Istanbul und in den hohen Norden 2012/2013 sehr präsent. Interessante Einsichten, die uns überraschen.

Wieder nordwärts

Wir haben uns vorgenommen, möglichst kleine Strassen auf dem Weg nach Norden, an die Grenze zu Burma, zu fahren. Das Strassennetz ist in Thailand sehr gut ausgebaut und verleitet geradezu, immer der Nase nach zu pedalen. Trotzdem, Pit will sicher gehen und füttert sein Navi mit diversen Eckdaten, denn einen Haken hat das Kurven abseits der Hauptverkehrswege: Übernachtungsmöglichkeiten sind logischerweise rar. Die moderaten Zimmerpreise verführen uns, das Zelt im Sack zu lassen und stattdessen ein bisschen Luxus, sprich eine heisse Dusche, ein Bett und Internet zu geniessen. In Tambon Yang Nam Klat Nuea haben wir gar einen grossen Pool für uns alleine; wir sind die einzigen Gäste. Welch ein Luxus! Man gönnt sich sonst ja nichts.

In der weitgehend flachen Landschaft ragen im Hinterland von Cha-Am schroffe Felsformationen wie Krokodilzähne in den Himmel und zwingen die ansonsten gerade Strasse zu ein paar Kurven. Kaum Verkehr, ab und zu ein Dorf, dafür immer wieder übermütige Hunde, die sich das seltene Ereignis, Velofahrer erschrecken zu können, nicht entgehen lassen. In Thailand sind „die besten Freunde des Menschen“ wirklich eine Landplage, die einem das Velofahren arg vermiesen können.

Lange Zeit treten wir entlang grosser Ananas-Plantagen. Ganze Lastwagenladungen dieser köstlichen Früchte rollen an uns vorbei Richtung Bangkok. Zuckerrohr, Maniok, Mangos, Bananen, Papayas, Mais, Reis, Kohl und weiteres Gemüse und exotische Früchte, die wir nicht kennen, werden in diesem Landstrich angebaut. Interessant und kurzweilig durch diesen Gemüse- und Früchtegarten zu fahren. Touristen gibt es hier keine. Einmal mehr wird uns bewusst, welches Privileg wir als Velofahrer geniessen: in Gegenden zu kommen, in die kurzzeitig Reisende kaum je gelangen und ein Land nicht nur zu besuchen, sondern zu erleben.

Ankunft in Kanchanaburi.
Ankunft in Kanchanaburi.

Leider ist trotz tollem, heissem Wetter ohne Regen mit mindestens 33 Grad tagsüber – momentan fast 40 Grad Differenz zur saukalten Schweiz, brrrrrr – der Himmel seit Tagen überzogen, die Fernsicht eingeschränkt. Schuld sind die grossflächigen Feuer, die auf den abgeernteten Zuckerrohrfeldern überall modern und zum Himmel stinken. Uns vermiesen vor allem die brennenden Strassenböschungen das Fahren. Oft schiessen die Flammen meterhoch, beissender Rauch wabert über der Strasse, Asche wird hochgewirbelt. Atem anhalten und Fersengeld geben, ab durch die Mitte, heisst die Devise. Trotzdem, die Gegend ist wunderschön und überall werden wir mit Zurufen willkommen geheissen. Thailand ist ein Veloreiseland (mit Einschränkung), ohne Zweifel.

Die Brücke am Kwai

Die berühmte Brücke am Kwai steht tatsächlich in Kanchanaburi, ca. 70 Kilometer westlich von Bangkok, das war uns beim Haltmachen nicht bewusst. Der Film aus dem Jahr 1957 ist ein absoluter Klassiker, der River-Kwai-Marsch ein Ohrwurm. Die Eisenbahnbrücke ist heute ein Mahnmal für die Gräuel des Weltkriegs in Asien, das mit dem Zug von der Hauptstadt aus gut zu erreichen ist. Von September 1942 bis Dezember 1943 mussten Kriegsgefangene aus Thailand, aber auch aus den Vereinigten Staaten, Grossbritannien, Australien, Indien und China für die japanische Besatzungsmacht unter unmenschlichen Bedingungen durch den Dschungel eine Bahnlinie bis Burma errichten. Die Zwangsarbeiter nannten die Bahn "Death Railway" (Todeseisenbahn). Sie sollte im Zweiten Weltkrieg die Nachschubwege der Japaner sichern. Durch Erschöpfung, Unfälle, Cholera oder Malaria starben über 100’000 Menschen beim Bau der Trasse.

Nach einem Pausentag zieht es uns weiter, der Nase nach nach Norden.

 

Am 7. Februar steht auf dem Velocomputer wieder mal eine runde Zahl: 10'000 Velokilometer seit Ankara im Frühling letzten Jahres. Wir kommen gut vorwärts und finden jeden Tag eine angenehme Bleibe für die Nacht. Von Tak aus sind es noch 80 Kilometer bis zur burmesischen Grenze. Unser Visum gilt ab dem 17. Februar – was uns wohl erwartet in der Republik am Indischen Ozean?

Schwer beladen mit Zuckerrohr sind z.Z. viele Lastwagen unterwegs.
Schwer beladen mit Zuckerrohr sind z.Z. viele Lastwagen unterwegs.
Nach Bangkok endlich wieder kleine Strassen . . . wir geniessen das Fahren!
Nach Bangkok endlich wieder kleine Strassen . . . wir geniessen das Fahren!

Von Thailand nach Myanmar (Burma)

Zeit zum Erholen hatten wir nach dem Ankommen mit dem Velo in Bangkok nicht wirklich. Die tolle Reise durch Kambodscha war interessant, aber für das Auftanken und Kräfte sammeln für die Weiterreise per Rad war wenig Platz. Wir wollen unbedingt ein paar Tage ans Meer, die Füsse ins Wasser halten, lesen, faulenzen und das Kommende diskutieren und planen, aber möglichst nicht zu weit in den Süden pedalen.

Mit dem Velo aus Bangkok fahren geht so gut oder schlecht wie in allen Grossstädten. Einen halben Tag und eine ganze Portion Nerven brauchen wir bis an die Stadtgrenze, ohne GPS wären wir schlichtweg aufgeschmissen. Was soll’s, wer sich in Georgien und Teheran mit dem Velo ins Verkehrsgewühl wagt, kann nichts mehr so schnell schrecken.

Am zweiten Tag liegen die viel befahrenen, mehrspurigen Strassen hinter uns. Links und rechts der kleinen Nebensträsschen erstrecken sich über viele Kilometer flache Wasserbecken, in denen nach dem Verdunsten des Meerwassers Salz gewonnen wird. Das Fahren macht Spass, nicht nur weil die Velos einen Monat in der Ecke standen. Dann endlich – das Meer! In Cha-Am finden wir eine günstige Bleibe für eine Woche, zum Strand sind es nur ein paar Schritte. 

Die bekannten Touristen-Strände liegen weiter südlich. Am Wochenende erstürmen viele junge Thais aus Bangkok den Badeort, sonst sehen wir hier vor allem Rentner aus Skandinavien und Deutschland die ihre grossen Wohlstandstrommeln spazieren führen, nicht wenige mit offenem Hemd oder gänzlich unbedeckt. Grauslig. Viele bleiben Wochen oder Überwintern an der Sonne. Sonst ist hier vor allem Langeweile zu Hause. Keine Frage, wir sind froh nach den Ruhetagen Richtung Norden rollen zu können. Unser nächstes Zwischenziel heisst Myanmar (Burma). Um den 17. Februar sollten wir die Grenze bei Mae Sot erreicht haben.